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1 Scoop sagt nichts: Warum Portionsangaben oft mehr Marketing als Wirkung sind

Suppify Team
Portionsgröße, Dosierung, Supplements, Proteinbedarf, individuelle Ernährung

1 Scoop sagt nichts: Warum Portionsangaben oft mehr Marketing als Wirkung sind

Einleitung: Portiönchen oder Power-Dosis? Die Wahrheit über Portionsgrößen

Du nimmst täglich einen „Scoop“ deines Protein- oder Trainingssupplements – und hast das Gefühl, er bringt gar nicht so viel? Das Problem: Portionsangaben auf Supplementverpackungen sind häufig mehr Marketing als wissenschaftlich fundierte Ernährung. In diesem Artikel decken wir auf, warum „1 Scoop“ häufig nichts aussagt, wie Dosierungstricks funktionieren und wie du deinen Bedarf wirklich individuell bestimmst.


Hintergrund: Wie entstehen Portionsgrößen bei Supplements?

Supplements wie Proteinpulver, Booster oder All-in-One-Blends werden meist mit einer festen Portionsangabe vertrieben: „1 Messlöffel (Scoop) = 17 g“. Aber woher kommt diese Größe? Und was steckt hinter der typischen Empfehlung „1 Scoop täglich“?

  • Hersteller wählen Portionsgrößen oft nach optischen, ökonomischen oder marketing­technischen Kriterien, nicht nach dem wirklichen Bedarf.
  • Große Portion = mehr wahrgenommene „Power“ – aber oft ohne entsprechend wirksame Zutatenmengen.
  • Kleine Portion = mehr Portionen pro Packung – klingt günstiger, führt aber meist zu Unterdosierung.

So entsteht ein Raster von Angaben, das wenig mit deiner Biologie und viel mit Verkaufspsychologie zu tun hat.

Infobox: Typische Dosierungstricks

  • Zutaten künstlich niedrig dosieren: Die „Portion“ klingt harmlos, reicht aber nicht für Wirkung.
  • Inhaltsstoffe splitten: Einzelne Stoffe werden auf verschiedene Mischungen verteilt, um in der „Portion“ weniger deklarieren zu müssen.
  • Portionsgrößen künstlich klein halten: Mehr „Portionen“ auf dem Etikett = scheinbar mehr fürs Geld.

Wissenschaftliche Analyse: Was beeinflusst deinen wirklichen Bedarf?

Aktuelle Studien zeigen: Der tatsächliche Bedarf an Protein, Aminosäuren und wirkaktiven Substanzen variiert individuell stark. Nach Geschlecht, Gewicht, Trainingsziel, Aktivitätsniveau und Stoffwechsel. Ein paar Erkenntnisse:

1. Proteinbedarf für Muskelaufbau und Regeneration

  • Optimaler Bedarf: 1,4–2,2 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht und Tag (je nach Trainingsumfang und Ziel).
  • Portionsempfehlungen auf Verpackungen liegen oft deutlich darunter – besonders bei pflanzlichen Proteinen, wo größere Mengen für den gleichen Effekt nötig sind.

2. Dosierung von Booster-Inhaltsstoffen

  • Viele Booster liefern L-Citrullin, Beta-Alanin oder Kreatin weit unter wissenschaftlich verifizierten Wirkdosen.
  • Effektive Mengen: L-Citrullin ca. 6–8 g pro Portion, Beta-Alanin ca. 4–6 g pro Tag, Kreatin ca. 3–5 g pro Tag.
  • Studien zeigen: Dosen unterhalb dieser Werte verpuffen meist wirkungslos.

3. Mikronährstoffe und Regenerations-Booster

  • Bedarf an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen variiert je nach Lebensstil, Ernährung und Genetik.
  • Standardisierte Einheitsportionen decken selten die individuellen Bedürfnisse ab und können deinen Erfolg ausbremsen.

Praxistransfer: So bestimmst du die richtige Dosierung für dich

Sei skeptisch bei fixen Portionsangaben! Wer Fitness, Muskelaufbau oder maximale Leistungsfähigkeit anstrebt, sollte sein Supplement nach Sachlage selbst dosieren – nicht nach Werbetext. Das bedeutet:

  • Protein (tierisch oder pflanzlich): Berechne deinen Tagesbedarf und teile ihn auf mehrere Mahlzeiten/Supplements auf.
  • Pre-Workout/Booster: Notiere die klinisch wirksamen Dosierungen und prüfe, ob das Produkt diese mit „1 Scoop“ überhaupt liefert.
  • Individuelle Mixes wählen: Präzise, an deinen Bedarf angepasste Mischungen (custom Protein, Booster etc.) liefern nachweisbar mehr Effekt, da sie auf Trainingsziel, Gewicht und Unverträglichkeiten zugeschnitten werden können.

Infobox: 5 effektive Schritte zur optimalen Dosierung

  1. Tagesbedarf (Protein, Booster, Mikronährstoffe) individuell berechnen
  2. Auf Portionsgröße und Mengenangaben auf dem Etikett achten – nach wissenschaftlichen Empfehlungen abgleichen
  3. Bei Bedarf mehrere Portionen kombinieren
  4. Vorsicht bei extrem kleinen „Portionen“ mit vielen Inhaltsstoffen – oft Unterdosierung!
  5. Bei individuellen Bedürfnissen auf personalisierte Supplementlösungen setzen

Oft decken herkömmliche Standardportionen vor allem die bequemen Bereiche ab und werden dem tatsächlichen Bedarf von Kraftsportlern, High-Performerinnen oder Veganern nicht gerecht – personalisierte Ansätze („made for you“) unterstützen Fortschritt und Gesundheit signifikant besser.


Fazit: Richtig dosieren = smarter trainieren

Die Angabe „1 Scoop“/Portion ist meist beliebig und kaum wissenschaftlich begründet. Wirkliche Effekte in Muskelaufbau, Leistungsfähigkeit und Regeneration erreichst du nur, wenn Dosierung und Mischung exakt auf dich, deine Ziele und deinen Lebensstil angepasst sind.

Key Takeaways:

  • Portionsgrößen dienen oft dem Marketing, selten echter Wirksamkeit
  • Selbst mit teuren Supplements bist du bei Unterdosierung nicht optimal versorgt
  • Wissenschaftlich empfohlene Mengen orientieren sich an Ziel, Gewicht & Aktivität
  • Individuelle Dosierung bringt nachweisbar bessere Ergebnisse
  • Smarte, personalisierte Supplement-Mischungen überholen Einheitslösungen deutlich

Der Weg zu deinem Trainingsziel beginnt mit der richtigen Portion – mach sie zu deinem Werkzeug, nicht zum Marketing-Gag!


Referenzen

  1. Morton RW, Murphy KT, McKellar SR, et al A systematic review, meta-analysis and meta-regression of the effect of protein supplementation on resistance training-induced gains in muscle mass and strength in healthy adults British Journal of Sports Medicine 2018;52:376-384.
  2. Jäger, R., Kerksick, C. M., Campbell, B. I., Cribb, P. J., Wells, S. D., Skwiat, T. M., ... & Kreider, R. B. (2017). International Society of Sports Nutrition position stand: protein and exercise. Journal of the International Society of Sports Nutrition, 14(1), 20. https://jissn.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12970-017-0177-8
  3. Jäger R, Kerksick CM, Campbell BI, Cribb PJ, Wells SD, Skwiat TM, Purpura M, Ziegenfuss TN, Ferrando AA, Arent SM, Smith-Ryan AE, Stout JR, Arciero PJ, Ormsbee MJ, Taylor LW, Wilborn CD, Kalman DS, Kreider RB, Willoughby DS, Hoffman JR, Krzykowski JL, Antonio J. International Society of Sports Nutrition Position Stand: protein and exercise. J Int Soc Sports Nutr. 2017 Jun 20;14:20. doi: 10.1186/s12970-017-0177-8. PMID: 28642676; PMCID: PMC5477153.
  4. Trexler ET, Smith-Ryan AE, Stout JR, Hoffman JR, Wilborn CD, Sale C, Kreider RB, Jäger R, Earnest CP, Bannock L, Campbell B, Kalman D, Ziegenfuss TN, Antonio J. International society of sports nutrition position stand: Beta-Alanine. J Int Soc Sports Nutr. 2015 Jul 15;12:30. doi: 10.1186/s12970-015-0090-y. PMID: 26175657; PMCID: PMC4501114.
  5. Kreider, R.B., Kalman, D.S., Antonio, J. et al. International Society of Sports Nutrition position stand: safety and efficacy of creatine supplementation in exercise, sport, and medicine. J Int Soc Sports Nutr 14, 18 (2017). https://doi.org/10.1186/s12970-017-0173-z
  6. Thomas DT, Erdman KA, Burke LM. Position of the Academy of Nutrition and Dietetics, Dietitians of Canada, and the American College of Sports Medicine: Nutrition and Athletic Performance. J Acad Nutr Diet. 2016 Mar;116(3):501-528. doi: 10.1016/j.jand.2015.12.006. Erratum in: J Acad Nutr Diet. 2017 Jan;117(1):146. doi: 10.1016/j.jand.2016.11.008. PMID: 26920240.